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Flaggentag

flagWarum weht am Fahnenmast  vor dem Büro heute die schwedische Fahne und nicht – wie sonst üblich – die unserer Gemeinde, frage ich meine Kollegen als wir nach dem Mittagessen daran vorbeilaufen.
Hmm, müsste man wohl wissen wissen, sagten sie und schauten fragend in die Runde.
Keiner wusste was.
Extra-Gehaltstag, vielleicht?
Königs Geburtstag? Oder Estelles?
Ach, wer weiß, was der König mal wieder angestellt hat….

Viktooorias Naaamenstaaag, rief jemand am Ende des Korridors.
Achsooooooo.

Während man bei Königs feiert, geht das gemeine Volk arbeiten.
Nun denn.

Ich habe mich an lutfisk – Laugenfisch – gewagt.
Und überlebt!
Bisher habe ich einen ganz großen Bogen darum gemacht, weil die geleeartige Konsistenz ziemlich abschreckend aussieht.

Die Idee stammt aus vorkühlschranklichen Zeiten und soll laut schwedischer Wikipedia aus Norddeutschland und den Niederlanden stammen: Man trocknet Fisch (Dorsch) und wenn man ihn essen will, wässert man ihn, legt ihn in Lauge (Soda oder Löschkalk) und wässert ihn wieder um die Lauge rauszuspülen. Dann sind mehr als 2 Wochen vergangen und man kann den Fisch kochen. Um die Prozedur abzukürzen, kauft man den Fisch heutzutage im Supermarkt, wo er als weiße Glibbermasse, eingeplastet im Kühlregal liegt.

Meine Nachbarn waren der Meinung, dass sie mich weiter in nordische Sitten und Gebräuche einführen müssen, und haben mich zum lutfisk eingeladen. Sie hatten extra betont, dass es noch einen Plan B gab, falls das Experiment scheitern sollte.

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Gekochter lutfisk

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Lutfisk – dazu gibt es traditionell Kartoffeln, Erbsen in einer Sahne-Mehlschwitze, Senfsoße und knusprig gebratene Speckwürfel

Fazit: Der Fisch war genießbar. Man könnte sogar sagen, er hat geschmeckt. Wahrscheinlich lag das aber eher an den kräftigen Speckwürfeln und dem anderen Zubehör. Denn der Fisch selbst hatte eigentlich gar keinen Geschmack mehr.
Ein, zwei Gläschen Aquavit haben dafür gesorgt, dass auch der Magen seine Freude an dem ungewöhnlichen Essen hatte.

Wiederholung? Nicht unbedingt notwendig. 
Trotzdem danke liebe Nachbarn für die Erfahrung.

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Aquavit zum Vor- und Nachspülen

Meine Reisen nach Deutschland starte ich seit einiger Zeit von einem norwegischen Flughafen.
Am Freitag bei der Ankunft im Parkhaus fielen mir rote Zettel auf, die bei vielen Autos unter dem Scheibenwischer lagen. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich die Zettel als knallrote Eiskratzer, die die NSB (Norges statsbaner) – also die norwegische Bahngesellschaft – verteilt hatte.

nsb

Nächstes Mal kannst du auch bei uns sitzen.
Willkommen zu Hause. Nimm den Zug.

Auf der Rückseite stand, dass es einen kostenlosen Bustransport vom Bahnhof zum Flughafen gibt.

Leider gibt es keine vernünftige Bus- oder Zugverbindung aus Schweden so dass ich nicht auf dieses verlockende Angebot zurückgreifen kann und den Flughafen weiterhin mit 50 Euro pro Wochenende sponsore. Wie blöd!

Fika

Das ist eines der wichtigsten Wörter, die man in Schweden kennen muss:

fika

Die fika (Betonung bitte auf dem laaaang gesprochenen iiiiii !) ist eine Pause am Vormittag und Nachmittag, in der traditionell Kaffe getrunken wird, es darf natürlich auch Tee sein. Dazu wird eine Kleinigkeit gegessen, meist kleine Gebäckstücke wie zum Beispiel kanelbullar –  aber auch herzhaft belegte Brote können gereicht werden.
Das Wichtigste an der fika ist nicht der Kaffee oder der Imbiss, sondern das Beisammensein mit Kollegen, Freunden, Nachbarn oder der Familie.

20140116_090937Die fika ist eine “soziale Institution” in Schweden und die tägliche Arbeit, Angelvereinssitzungen, Computerkurse oder ehrenamtliche Arbeitseinsätze sind ohne eine fika undenkbar!

Kennt Ihr den schwedischen Film “Wie im Himmel”? Einer der Chormitglieder sagt bei der Probe, “fika ist auch wichtig”. Der ambitionierte Chorleiter musste sich fügen.

Als ich gestern bei einer Weiterbildungsveranstaltung den Raum betrat, war das Wichtigste am Flipchart zusammengefasst. Thema oder Ablauf der Veranstaltung schienen eine untergeordnete Rolle zu spielen ;)

Selbsthilfe

In der Nachbarschaft entdeckt:

Er wartet noch auf seine kalten Kameraden.

Er wartet noch auf seine kalten Kameraden.

Im original: valnötsfylld mjuk pepparkaka.

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Ein leckerer und ganz einfacher Kuchen für die Advents- und Weihnachtszeit.

Teig:
150 g weiche Butter mit 200 g Zucker und 3 Eiern verrühren.
Je 1 Teel. gemahlenen Zimt, Ingwer und Nelken dazugeben. 
240 g Mehl mit 1 Teel. Natron einrühren (Backpulver tuts sicher auch).
150 ml Sahne unterrühren.

Füllung:
100 g gehackte Walnüsse mit 80 g braunem Zucker und 25 g geschmolzener Butter verrühren.

Die Hälfte des Teiges in eine Kastenform (1,5 l) füllen, dann die Füllung dazugeben. Den Rest des Teiges einfüllen.
Bei 175°C ca. 50 Minuten backen.

Fertig ist die schwedische Weihnachtsspezialität.

Guten Appetit und eine frohe Adventszeit wünscht Smultronella.

Frag lieber die Kinder

Gestern bin ich in’s nächste Städtchen gefahren, um meine ehemaligen Nachbarn in ihrem neuen Haus zu besuchen. Die Adresse glaubte ich zu wissen und ab ging’s.
Dort angekommen, stelle ich fest, dass der Name der Straße gleich 2x existierte. Man war nicht besonders kreativ und nannte die eine Bergstraße und die andere Bergweg (so ähnlich jedenfalls). Auf diese Falle war ich nicht vorbereitet, ich hatte mir nämlich nur “Berg…” gemerkt.
Und die Hausnummer?  …  Ähemmmm… ein helles Haus am Berg.  Die Straße wird schon nicht so lang sein.

Weg und Straße, schmal und steil, waren in sich verschlungen und auf alle Fälle länger und verwinkelter als erwartet.
Also anrufen und fragen. Schließlich leben wir in modernen Zeiten.

Mist! Handy vergessen.

Na gut, dachte ich, haste einen Mund, kannste fragen. Bei den paar Hanseln hier hat sich bestimmt herumgesprochen, wo “die deutsche Familie” eingezogen ist.
Die Gegend war wie leergefegt, keiner kam aus seinem Haus.
Da, ein Auto hält. Jetzt schnell hin, bevor der Fahrer die Haustür erreicht. Anwohner Nummer eins hatte keine Ahnung, freute sich aber, dass er mir ein “Tschüss” zum Abschied zurufen konnte. Also weitersuchen.
Da, eine Raucherin neben ihrem Auto.
Deutsche Familie, fragte ich.
“Hier?? Nee!! Ich  hab ja früher mal da oben in der Straße gewohnt, aber da gab es keine deutsche Familie.”
Okay, unnützes Wissen, das mir nicht half, also weiter.
Da, ein junger Mann fährt seinen Volvo rasant vor eine Garageneinfahrt. Aber auch Anwohner Nummer 3 wusste nichts.

Konnte es so schwer sein? Hängen die nicht alle hinter ihren Gardinen, wenn wer Neues kommt? Sind doch sonst immer alle so neugierig und wissen alles.
Aufgeben wollte ich aber noch nicht. 

Hinter mir bewegte sich was. Ein kleiner Junge, vielleicht 9 Jahre, radelte auf dem Fahrrad den Berg hinunter. Der wusste bestimmt, wer zu welchen Haus gehört.
Stoooooooopppp! 
“Kennst Du hier eine deutsche Familie mit 2 kleinen Kindern?”
“Ja.”
“Weißt Du, wo sie wohnen?”
Kleine Pause. “Ja.”
Damit war  meine Frage von ihm korrekt beantwortet und ich stellte fest, dass ich die falsche, bzw. nur die halbe Frage gestellt hatte.
Also, “wo denn?”
Dann erklärte er mir was von einem roten Haus, einer Eiche und einem Sandweg. Es war die perfekte Wegbeschreibung. Besser hätte es keiner gekonnt.

Ein Hoch auf die Kinder und ihre scharfe Beobachtungsgabe!

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